Dass die Astrologie gerade in unserer Zeit einen solchen Aufschwung erlebt, ist zwar erfreulich, spricht aber nur indirekt für die Astrologie, drückt sich darin doch vielmehr das Unbehagen des Menschen gegenüber den Schattenseiten des rationalen Fortschritts aus, dessen rasender Entwicklung das Individuum nicht mehr zu folgen vermag. Von der Voraussetzung ausgehend, dass alles, was er in der äußeren Welt anstrebt, zuerst als inneres Bild in ihm selbst vorhanden ist, äußert sich in seinem Wunsch nach äußerer Erkenntnis gleichzeitig auch der Wunsch nach Selbsterkenntnis.
Trotzdem kann man jetzt nicht davon ausgehen, dass das Geburtshoroskop die Erklärungen für die Umstände abgibt, denen man im Leben begegnet, und dass diese in allen Fällen unverrückbar wären. Man kann eher davon ausgehen, dass die Planetenstellungen im persönlichen Horoskop den individuellen Gesichtswinkel bestimmen, aus dem heraus wir die Umwelt betrachten - also gewissermaßen einer Einladung gleichkommen, wie wir die an sich unbestimmten Eindrücke aus der Außenwelt zu erleben und für uns auszuwerten haben. Demnach ist unser Horoskop der Schlüssel, der uns aufzeigt, wie wir die Welt wahrnehmen, damit sie unserer Anlage entspricht. Nicht, weil dies der Wahrheit, sondern weil es der Perspektive unseres Bewusstseins entspricht. Denn die universale Energie ist eine unpersönliche Kraft, weder gut noch böse. Sie wird erst durch die Muster unseres Bewusstseins in weiß oder schwarz unterschieden. Die Unterscheidungen entstehen folglich im Gehirn, in unserem Denken.
|