Vom Sinn der Astrologie von Wulfing Kranenbroeker
Das Weltmodell der Astrologie aus philosophischer und naturwissenschaftlicher Anschauung
Es gibt wohl kaum eine andere Wissenschaft, welche ähnlich umstritten ist wie die Astrologie und welche dennoch einen solch hohen Stellenwert in unserem bewußten wie unbewußten Denken und Handeln einnimmt. Nähern wir uns diesem Thema einmal in einer möglichst meinungs-freien Weise.
Als kleiner Junge wollte ich unbedingt an einem schönen Sommertag einen Science-fiction-Film im Fernsehen anschauen, dessen Schwerpunktthema die Zeitreise war. Mit pädagogischem Scharfsinn verbot mir mein Vater nicht direkt den Film anzuschauen. Er forderte von mir, ihm erst zu erklären was Zeit ist, dann könne ich ruhig den schönen Sommerabend vor der Glotze verbringen. Hier wurde mein Glaube an die Götter der Wissenschaft zum erstenmal schwer erschüttert: Es gab kein brauchbares Erklärungsmodell für das Phänomen Zeit. Wir können einige Aspekte dieses Phänomens messen, einige mehr empfinden, aber selbst ein Albert Einstein konnte die Zeit nicht erklären - wie wir heute erkennen könn(t)en.
Eine andere Absurdität erschien mir in dem Dogma, daß wir in einer dreidimensionalen Welt leben sollen, obwohl die Wahrnehmung und das Verständnis selbst des dümmsten Menschen über Länge, Breite und Höhe hinausgeht. Die dreidimensionale Welt ist statisch. Erleben findet nur in der Bewegung statt. Die zur Zeit gültige Definition des Phänomen Zeit in der Physik heißt:
Zeit ist eine nach der alltäglichen Erfahrung nicht beeinflußbare physikalische Größe. Man kennzeichnet die Bewegung von Körpern durch die Angabe ihrer Orte zu verschiedenen Zeitpunkten und betrachtet daher Zeit als ein zu den drei Raumkoordinaten hinzutretende vierte Koordinate.Innerhalb der modernen Physik leben wir also schon längere Zeit in vier Dimensionen.
Seit Descartes, spätestens, haben wir fleißig begonnen uns aus den Resten des magischen Bewußtseins zu lösen. Nach und nach konnten wir die Geister aus ihrer Schwerstarbeit der Steuerung des Weltgeschehens entlassen. (Natur-)Gesetze traten an ihre Stelle. Naturwissenschaften sind nun einmal Geist-los. Im Zuge der fortschreitenden Aufklärung glauben wir, die hinter der Natur wirkenden Gesetze erkannt und beherrschen gelernt zu haben. Seltsamerweise macht man sich heute selbst in den aufgeklärtesten Kreisen der wissenschaftlichen Avantgarde nicht lächerlich, wenn man vom Zeitgeist und seinen so offensichtlichen Wirkungen spricht. Doch wäre es verwunderlich, wenn nicht auch auf diesem Gebiet Pioniere des Geistes versucht hätten hier universelle Gesetzmäßigkeiten zu entdecken.
Wir nehmen als menschliche Wesen das Phänomen Zeit wahr. Wir stehen somit dazu in Wechselwirkung. Zeit hat für uns spürbare Qualitäten, die wir sogar graduell unterschiedlich wahrnehmen können. Was liegt also näher, als zu fragen, wie diese Qualitäten beschaffen sind, wie sie wirken und wie man sie messen kann? Gäbe es die Astrologie als Wissenschaft der Zeit-(Qualität) nicht schon, wir müßten sie spätestens heute erfinden.
Zeit wirkt in allem, was für uns erfahrbar ist. Es ist sicherlich sinnvoll anzunehmen, daß sie auch auf alles gleichförmig einwirkt, ähnlich dem Licht oder die Schwerkraft. Unter dieser Annahme lassen sich die erkennbaren Unterschiede in der Wirkung auf Objekte oder Zustände auf deren verschiedene Eigenschaften innerhalb der anderen drei ( oder vielleicht mehr...) Koordinaten unseres (Erfahrungs-)Raumes zurückführen. Die Schwerkraft die zwischen der Erde und dem herbstlichen Blatt eines Baumes wirkt, ist die selbe, die auf den unvorsichtigen Klettermaxe wirkt. Nur das Ergebnis ist sehr verschieden - graduell.
Um die Phänomene beschreiben zu können, müssen wir abstrahieren, ein Ordnungs-system entwickeln. In der Psychologie gibt es ein in unserer Zeit recht beliebtes Gesellschaftsspiel: den ?Intelligenztest?. Dazu gehört meistens auch das Spiel ?Nennen sie zu folgenden Begriffen den nächstliegenden Oberbegriff?. Zum Beispiel: Maus - Adler - Wal - Känguruh = ? Richtig - der nächstliegende Oberbegriff ist Warmblüter. Wer nicht gerade Biologie studiert hat, hätte sich hiermit gerade beweisen können, daß er nicht intelligent ist. Nennen wir es deshalb lieber weiterhin ein intelligentes Spiel, dessen Sinn sich schon in seinem Namen offenbart. Das Wort Intelligenz leitet sich ab aus dem lateinischen interlegere = dazwischen legen, unterscheiden. Und das Wort Oberbegriff legt das Bild nahe, von etwas, das über den anderen liegt - geschichtete Ebenen, ein räumliches (Denk-)Muster, welches sowohl waagerecht als auch senkrecht geordnet ist. Als intelligent bezeichnen wir also jemanden, der sich innerhalb eines solchen Denkmusters sicher orientieren kann. Je größer der Rahmen eines solchen philosophischen Systems ist, desto höher wären also auch die Grade einer erreichbaren Intelligenz - wenn man die derzeitigen ?Intelligenz-Meß-methoden? zugrunde legt.
Wenn wir nun nachfolgende Begriffe dem nächstliegenden Oberbegriff zuordnen wollen, können wir den Umfang und die Weite des astrologischen Denkmodells erahnen, in dem es Orientierung bietet: Pfeil, Zähne, orange-feuerrot, Frühlingsbeginn, ätzend, Halbwüste-Steppe, Eisen, Z, Dienstag, Sturm, Schnaps, Rubin, Chirurg, Pfeffer, Distel, spitz, Stirn, Raubtier, Sportwagen, Perkussion, Schlagzeug, Blockhaus, Fieber, Entzündung, Messer, Aggression. Alle diese Begriffe lassen sich unter dem Oberbegriff Mars-Prinzip zusammenfassen. Ich kenne kein umfassenderes philosophisches Orientierungsmodell welches konkrete Aussagen über Zustände und Dinge innerhalb der uns bekannten Welt liefert - mit Ausnahme der Mathematik.
Je weiter wir uns von konkreten, eng umrissenen Bildern oder Begriffen entfernen, je mehr wir also abstrahieren, desto mehr nähern wir uns dem Symbol. Symbol kommt von dem griechischen Wort symbolon = Sammelbecken. Die höchste Form der Abstraktion, die wir mit unserem derzeitigen menschlichen Denken noch erfassen können, ist die Sprache der Mathematik. Alles was ist und was wir tuen, läßt sich durch mathematische Manipulationen ausdrücken. Die Computer machen es uns heute vor. Die Sprache der Astrologie ist eine Symbolsprache. Sie steht somit irgendwo zwischen dem linearen, konkreten Alltagsdenken in festen Bildern und Begriffen und dieser allerhöchsten Abstraktion, der für die meisten Menschen noch okkulten Wissenschaft der Mathematik. Die Sprache der Astrologie, die auch oft die Sprache unserer Träume ist, müßte uns eigentlich näher sein und auch leichter verständlich als die der Mathematik. Umgekehrt läßt sich aber die Astrologie durch die Mathematik beschreiben. Sie ist eine Teilmenge derselben.
Wir leben in einem Zeit-Raum, in dem die Entwicklung auf allen Gebieten der menschlichen Existenz sich immer mehr beschleunigt. Nach unserem subjektiven Empfinden wird die Zeit immer dichter. Wer schon einmal mit Tempo 280km/h über bundesdeutsche Autobahnen gerast ist - und dies auch überlebt hat - wird sicherlich auch überzeugt sein, daß wir die Grenzen unserer allgemein anerkannten sinnlichen Wahrnehmung durch unseren technischen Fortschritt längst überschritten haben.
Global 2000 - Der Bericht an den Präsidenten (der USA / Jimmy Carter) Ende der 70er Jahre war das öffentliche Eingeständnis der führenden Wissenschaftler, daß selbst die fähigsten Köpfe mit all ihren Supercomputern nicht mehr in der Lage vorherzusagen, wie sich die Welt über einen Zeitraum von wenigen Jahren entwickeln wird! Wir werden also seit Jahrzehnten regiert von Menschen, die alle zugeben müssen oder es bereits selbst wissen, daß sie nicht wissen, was sie tun! Diesen hilflosen, blinden Kindern geben wir freiwillig die Macht in die Hände uns und die gesamte Erde, ja inzwischen wahrscheinlich sogar das ganze harmonisch geordnete Sonnensystem, auf jede nur erdenkliche Weise zu zerstören. Dabei ist es egal, ob es sich um Religionsführer, Präsidenten, Militärs oder Wirtschaftsmagnaten handelt. Die Frage ist hier, wer ist verantwortungsloser? Wir, die wir ihnen die Macht über uns ermöglichen? Oder die Großen, die von dieser Machtfülle überfordert sind?
Hier würde die Nutzung des streng geordneten philosophischen Systems der Astrologie eine sinnvolle Orientierungsbasis bieten. Gesetzmäßigkeiten innerhalb der Zeit wären über längere Strecken hinweg erkennbar. Die Fähigkeit des Wahrsagens und Prognostizierens würde endlich entmystifiziert werden.
Wenn Onkel Arthur der kleinen Anna weissagt, daß der Baum im Schrebergarten ihr bald mehr goldrote Äpfel schenkt, als sie in einer Woche aufessen kann, dann ist die Erfüllung dieser Prophezeiung unabhängig davon, ob die kleine Anna daran glaubt und dem Baum ein tägliches Opfer bringt - es sei denn ein sinnvolles Gießopfer - oder ob sie es nicht tut. Die Kenntnis, daß es sich um einen Apfelbaum einer bestimmten Sorte handelt, der im Herbst seine Früchte trägt, macht dieses für Anna so okkulte Orakel möglich. Solche Vorhersagen machen zu können, ist das Ziel einer jeden Naturwissenschaft. Wenn jetzt aber jemand die Bienen der Nachbarschaft vergiftet, oder ein heftiger Frühjahrssturm die Blüten zerstört, dann war Onkel Arthur ein schlechter Wahrsager. Exakte Voraussagen sind also nur im Rahmen dessen, was wir erkennen können möglich.
Wieviel wir von komplexen interagierenden Systemen, wie auch unser eigener Körper oder die Gesellschaft sie darstellen, verstehen, dürften uns die kläglichen Ergebnisse unserer amtlichen Wettervorhersage deutlich machen. Selbst durch den Einsatz von Satelliten und weltweit vernetzten Computern bleibt die Wettervorhersage ein scheinbar unlösbares Problem. Mit Hilfe der Chaos-Theorie glaubt man sich der Verantwortung für eine Lösung elegant entziehen zu können. Sicherlich wäre es auch hier wesentlich billiger und effektiver einmal einen anderen Denkansatz zu versuchen. Maria Thun mit ihrem jährlich erscheinenden Kalender für Bauern, Imkern und Hobbygärtnern - Aussaattage - nach den Vorschlägen des Begründers der Anthroposophie, Dr. Rudolf Steiner, zeigt, daß verläßliche Wetterprognosen über weit mehr als 3 Tage möglich sind!
Andererseits gehen heute schon einige Fluggesellschaften hin und lassen ihre Maschinen noch einmal gründlich durchchecken, wenn die Umbuchungen für einen Flug einen bestimmten Prozentsatz übersteigen. Statistische Untersuchungen haben hier einen Zusammenhang mit den Unglücken aufgedeckt. Der Mensch scheint also zumindest unterbewußte Wahrnehmungsfähigkeiten entwickelt zu haben. Ähnliches haben auch Lebensversicherungsgesellschaften entdeckt, als sie die Psychostruktur ihrer Kunden mit der Unfall- und Todesstatistik verglichen haben. Dummerweise würde aber das Wissen um die Gesetzmäßigkeiten dieser ?Zufälle? oder ?Unglücksfälle? den Versicherungsgesellschaften die Basis ihrer (finanziellen) Existenz entziehen. Umgekehrt würde allerdings auch jedes Glücksspiel wie Lotto oder Roulette nicht mehr funktionieren. Es wäre auch nicht mehr notwendig.
Bleiben wir, gerade auch bei dieser Thematik, ruhig innerhalb der Grenzen des naturwissenschaftlichen Behaviorismus. Wo Rauch ist, dort muß auch ein Feuer sein. Wo eine Wahrnehmung stattfindet, da muß auch ein (Sinnes-)Organ dafür vorhanden sein. Fragen wir die Biologen, oder besser die Neurologen (Gehirnforscher), brauchen wir nicht lange zu suchen: Unser Gehirn ist um unser Zeitorgan, welches alle rhythmischen Vorgänge im Körper steuert, herum aufgebaut - die Zirbeldrüse. Bei manchen niederen Reptilien ist sie noch als Drittes Auge auf der Schädeldecke sichtbar. Beim Menschen wächst diese Öffnung, Große Fontanelle, erst - oder schon - im Babyalter zu. Die meisten Yoga- und Mysterienschulen der ganzen Welt sehen hierin das Tor zu höheren Wahrnehmungen, den Sitz der Intuition, des ganzheitlichen Erfassens. Nur haben wir hier im aufgeklärten Westen der Neuzeit das Training der Wahrnehmung der Signale dieses Organes mit unserem Wachbewußtsein durch die Spezialisierung auf lineares, logisches Denken schmählich vernachlässigt. Wir benutzen vorwiegend nur eine Hälfte unseres Gehirnes, in der Regel die linke Hälfte. Wenn wir davon ausgehen dürfen, daß das Ganze im Betrieb mehr leistet als die Summe seiner Einzelteile, haben wir mit Sicherheit noch keine Vorstellung von der Kapazität dessen, was wir auf unseren Schultern als Zierat mit uns herumtragen.
Sinnesorgane sind biologische Anzeigeinstrumente, die in immer gleicher Weise äußere Eindrücke in unser kybernetisches System einspeisen, welches aus diesen eingegebenen Daten seine Orientierung ableitet und übergeordnete, abstrakte Begriffe und Handlungen aufbaut. Eine Menge sinnlicher Wahrnehmungen, also bio-physio-chemischer Daten, baut zum Beispiel in einem Menschen den Begriff Mutter auf. Dieser Begriff ist somit nun innerhalb des kybernetischen Systems, eines sich selbst steuernden Individuums, nennen wir es Paul, aus einer Vielzahl der unterschiedlichen Wahrnehmungen aufgebaut. Paul hat seine Mutter gehört, gesehen, er hat an ihrer Brust gelegen. All das hat Paul verinnerlicht, gespeichert. Umgekehrt kann nun Paul, wenn jemand den abstrakten Begriff Mutter in Paul ?eingibt?, indem er das Wort Mutter ausspricht oder Paul ein Photo zeigt, in sich all die übrigen abgespeicherten Daten, die in seinem System mit Mutter zu tun haben abrufen. In Paul entsteht eine scheinbar sinnliche Wahrnehmung, ohne das eine konkrete äußere Erfahrung vorhanden sein muß. Was in unserem Kopf, oder durch den Denk- und Erinnerungsapparat in unserer Seele entsteht ist ein von der äußeren Welt getrenntes Abbild - eine Analogie. Erinnerung ist ein aktiver Vorgang der ganzen Seele und kein Adressen orientiertes Abrufen fixierter Daten, deshalb wird auch jede schöne Erinnerung mit jedem neuen Aufruf noch schöner.
Unsere sinnliche Wahrnehmung, oder besser deren Verarbeitung im Gehirn und der Seele folgt also dem Analogiegesetz. Ähnlich wie mit dem Tachometer im Auto, der die Geschwindigkeit von 280 km/h nur anzeigt, diese aber nicht bewirkt, verhält es sich auch mit unserer Wahrnehmung und dem damit verknüpften Denken, dem Bilder-Erschaffen. Es ist nicht 6:00 Uhr, weil unsere teure Uhr dies gerade präzise anzeigt. Es ist auch nichts rot, weil unsere Augen es gerade so wahrnehmen. Es handelt sich hierbei um Analogien.
Eine andere Ebene der Wirkung von Analogien ist das von Carl Gustav Jung beschriebene Phänomen der Synchronizität - das gleichzeitige Geschehen, scheinbar nicht zusammenhängender Ereignisse. Mit meinem Tagesbewußtsein denke ich zum Beispiel angestrengt über ein technisches Problem nach. Ohne davon zu wissen drückt mir jemand aus dem Bekanntenkreis plötzlich ein Buch in die Hand, weil er nichts damit anfangen kann.Prompt schlage ich die Seite mit der Lösung für mein Problem auf. In der hermetischen Philosophie heißt dieses Gesetz:
Wie oben - so unten. Wie im Makrokosmos - so auch im Mikrokosmos.
Das Anzeigeinstrument der Astrologie ist der Himmel von der Erde aus gesehen. Die Planeten zeigen in ihren berechenbaren Bahnen also nur an, was auf der Erde geschieht, sie bewirken es nicht - so ist die am häufigsten vertretene Meinung. Neuere Forschungen, vor allem innerhalb der Wetterbeobachtung und der Botanik deuten jedoch auf einen direkte Wechselwirkung hin. Die Basis der Arbeit eines Astrologen ist das Horoskop = Anblick der Stunde. Es ist wie eine Landkarte des Himmels zu einem bestimmten Augenblick von dem jeweiligen Ort auf der Erde aus gesehen. Wir können ein Horoskop vergleichen mit einer graphischen Anzeigetafel wie in einem Flughafen, wo die Starts und Landungen der nächsten Minuten vermerkt sind. Physiker würden es vielleicht ?Kosmisches Rhythmogramm? nennen, hermetische Philosophen ?Interdimensionale Symphonie?.
Tatsächlich handelt es sich bei der Astrologie um rhythmische Interaktionen unterschiedlich wirkender universeller Prinzipien, die man am ehesten musikalisch verstanden werden können. Hier in Deutschland hat Johannes Kepler diesen Bezug zur Musik in seinen Fünf Büchern der Weltharmonik - De Harmonice Mundi erstmals wieder herausgearbeitet. Deshalb ist eine Analogie mit unserer historischen Musikgeschichte gar nicht verwunderlich. Dort wo das Wissen um die astrologischen Gesetze am weitesten entwickelt wurde - oder zumindest am besten erhalten blieb - ist auch der Rhythmus innerhalb von Tanz und Musik am weitesten ausgebaut worden - in Indien. Und dies in einer Zeit, als es bei uns in Europa noch nicht einmal den mehrstimmigen Gesang gab! Unsere westliche sogenannte ? Musikalische Hochkultur? ist der Komplexität der klassischen indischen Musik, gerade in Bezug auf die Rhythmenlehre, so weit unterlegen, wie ein Volkslied einer klassischen Symphonie eines Ludwig van Beethoven.
Rhythmus ist eine Form von Schwingung. Mit Schwingung ist das Phänomen der Resonanz, des Mit-Schwingens verbunden. Die menschliche Stimme ist z.B., wenn sie einmal ausnahmsweise nur Töne ohne Worte hervorbringt, relativ harmlos. Es sei denn, sie trifft den richtigen Ton, der das Glas zerspringen läßt, oder die Gitarrensaite zum Mitschwingen anregt. Ähnliches bewirkt der rote Laserstrahl, der den grünen Luftballon innerhalb des weißen Luftballons zerstört, ohne den äußeren weißen Ballon zu verletzen. Andererseits kann die Stimme auch zum Heilen eingesetzt werden, wie uns die Schamanen noch heute vorführen. Da sich zur Zeit durch die Forschung alles in Schwingungen auflöst oder durch Schwingungsgesetze erklärbar wird, wäre es doch auch sinnvoll, die Gesetzmäßigkeiten hinter den wirksamen Schwingungen der Zeit zu erkennen. Doch hier stoßen wir immer noch an die als unantastbar geltenden Grenzen unserer religiösen Weltordnungen. Auch wenn die modernen Priester heute statt einer Stola einen Doktorhut tragen. Wir wollen, was wir schon lange wissen nicht wahrhaben.
In der Grundschule hat man uns die magische Operation der Division durch die Zahl Null einfach verboten! Irgend etwas geteilt durch Null gleich unendlich mache keinen Sinn ( X : 0 = ?). Später hieß es dann, der Mensch könne sich keine Vorstellung von der Unendlichkeit machen, geschweige sie denn gar erleben. Obwohl sie uns in jeder sternenklaren Nacht begegnet. Die Krone dieser Katechismen wurde dem dann aufgesetzt, als man uns im Mathematik Unterricht den Lehrsatz von Bolzano-Weyerstraß vorstellte:
Jede unendliche beschränkte Menge hat mindestens einen Häufungspunkt.
Dieser Lehrsatz ist mit den bekannten Gesetzen der Logik eindeutig beweisbar. Wir können nun das Leben eines Menschen als solch eine unendliche beschränkte Menge betrachten. Beschränkt ist das Leben durch die natürlichen Grenzen von Geburt und Tod - zumindest das normal-physische Leben. Die Zeitspanne, die sich zwischen diesen absoluten Grenzen erstreckt, läßt sich in unendlich viele kleine Augenblicke des Erlebens unterteilen, denn jede benennbare Zeiteinheit läßt sich in noch viel kleinere unterteilen. In dem Lehrsatz von Bolzano-Weyerstraß haben wir also den mathematischen Beweis, daß ein Mensch fähig sein kann, die Unendlichkeit des Augenblicks bewußt wahrnehmen zu können. In allen mystischen Schulen heißt dieser Bewußtseinszustand Erleuchtung.
Wer schon einmal im Moment der Todesangst, vielleicht bei Tempo 280 km/h, sein ganzes Leben innerhalb eines einzigen Herzschlages an sich vorüberziehen sehen hat, der mag ahnen, welche Dichte des Erlebens auf uns wartet, wenn wir nur den Mut aufbringen.
Eine andere Grenze der Erkenntnis haben die Physiker durchstoßen. Wir nehmen einen Körper fühlbar wahr, solange in ihm irgend etwas um seine drei Raumachsen schwingt. Wir sagen, der Körper hat eine Temperatur. Je wärmer ein Körper ist, je weiter die Atome in ihm schwingen, desto größer wird er. Kühlen wir ihn ab, wird er kleiner. Wäre seine Temperatur absolut 0° Kelvin, würde nichts mehr in ihm schwingen: Der Körper würde für uns aufhören zu existieren! Er nähme keinen meßbaren Raum mehr ein. Wahrscheinlich weil wir das nicht wahrhaben wollen, scheinen wir diese Grenze nicht durchstoßen zu dürfen. Denn was wäre, wenn dieser Vorgang auch noch umkehrbar wäre: Aus dem Nichts würde plötzlich etwas entstehen! Wir wären auf einmal die Schöpfer von Universen! Dummerweise stört sich die Natur nicht an unsere begrenzenden, morbiden, religiösen Luftschlösser. Wie Kolumbus nach Amerika kam, zeigte sich die Natur auch den Atomphysikern in schamloser Nacktheit und läßt subatomare Teilchen vorwärts und rückwärts in der Zeit springen und andere Teilchen aus dem Nichts entstehen. Wir können nicht mehr zurück. Es gibt Amerika und wir sollten, wie einst Christoph Kolumbus, das Wissen der Zeit nutzen, auch wenn uns die ängstlichen bisherigen Autoritäten vom Gegenteil überzeugen wollen. Die Scheiterhaufen vergangener Jahrhunderte sind immer noch nicht erloschen. Sie haben lediglich ihre Form geändert. Heute haben sie in der Regel DIN A 4 Format und lassen sich bequem zu Akten ordnen. Und die Verliese der Inquisition heißen heute Nervenheilanstalten.
Doch gerade wenn wir die alten Schriften und Lehren aller großen Religionen der ganzen Welt aufmerksam studieren und miteinander vergleichen, werden wir dort, wo sie alle miteinander übereinstimmen, die durch die Astrologie beschriebenen Gesetzmäßigkeiten wiederfinden. Das Alte Testament der Juden und auch das Neue Testament der Christen ist ohne profunde Kenntnisse der Astrologie gar nicht verstehbar. Sehen wir nur genau hin, können wir erkennen, daß es durch alle historischen Zeiten und Kulturen hindurch überall auf diesem Globus nur eine einzige Urreligion gegeben hat, die ihren wahren Kern nie gewandelt hat. Wäre es nicht herrlich, wenn wir die uralte Legende von Nathan dem Weisen endlich verstehen würden, und uns auf unser gemeinsames Erbe berufen würden, anstatt uns wegen der vermeintlichen Unterschiede gegenseitig zu morden. Die Astrologie bietet hierzu den neutralen Boden auf dem man wieder zueinander finden kann.
Die wohl bitterste Grenze erleben die Jugendlichen unserer Zeit. Niemand hat es nötiger in unserer orientierungslosen Zeit voller Ängste, persönlicher Katastrophen und Unsicherheiten seelsorgerisch betreut zu werden, als gerade sie. Wie hart und bitter muß es für den Studenten der Theologie sein, zu erkennen, daß es in seinem Lehrgebäude gar keinen Platz für die Seele gibt, erst recht denn ein Erklärungsmodell für das, was eine Seele ist und wie sie wirkt. Daß einzige, was dem zukünftigen Seelsorger zu glauben befohlen wird ist, daß irgend etwas, was mit Seele bezeichnet wird, unsterblich ist und irgendwie mit dem Menschen zusammenhängt. Wenn ihm dann ein Schüler erzählt, daß er mit seiner verstorbenen Großmutter kommunizieren kann, ist er genau so hilflos, wie der diplomierte Psychologe. Dabei hat heute jeder Mensch, egal auf welchem Kontinent er zu Hause ist, die Möglichkeit, sich von einer Form des Fortbestandes der Seele nach dem Tode des greifbaren, physischen Körpers selbst zu überzeugen. Ebenso wie die Kommunikation mit dem reifen Geist eines noch ungeborenen Kindes im Mutterleib, ja selbst eines geplanten Kindes noch vor der Zeugung.
Ich möchte hier keinen neuen/alten Glauben propagieren, sondern möchte jeden Zweifler dazu auffordern, sich selbst von dieser Tatsache zu überzeugen. Entweder durch ein Medium oder was besser wäre, sich selbst zu der Fähigkeit der Kommunikation mit der geistigen Welt entwickeln. Wir können nicht weiterwachsen, wenn wir die Welt nicht so annehmen, wie sie sich uns darstellt. Die Erde dreht sich doch, auch wenn wir es Jahrhunderte geschafft haben sie anzuhalten. Nur dadurch, daß wir es uns erlaubt haben zu denken, daß sich die Erde um die Sonne dreht, konnte ein Mensch den Mond betreten...
Wenn wir die Tatsache der Existenz einer Seele oder eines Geistes außerhalb des uns bekannten physischen Körpers akzeptieren können, dürfte es uns auch leichter fallen, das für unsere ?exakten? Naturwissenschaften so unumstößliche Gesetz von Ursache und Wirkung - das indische Karma - auf dem alle unsere Wissenschaften aufbauen, auch für unser Seelen- und Geistesleben anzuerkennen. Das bedeutet, daß wir zu jeder Zeit für all unser Denken und Handeln voll verantwortlich sind, und niemand stellvertretend für uns leiden kann. Wenn wir heute die Politiker wählen, die uns morgen das Gegenteil von dem erzählen, was sie uns versprochen haben, dann sind wir es selbst, die darunter zu leiden haben. Wir haben uns durch unsere kurzsichtigen Wünsche und Ängste verlocken lassen. Wir haben genau die Führer, die unserer eigenen Moral und geistigem Horizont entsprechen. Der große deutsche Philosoph der Aufklärung, Immanuel Kant, hat den Ausweg aus diesem Dilemma der scheinbaren Schicksalsschläge in seinem Kategorischen Imperativ brillant formuliert:
Handle stets so, daß Du die Maxime Deines Handelns überschauen kannst!
Den einzelnen Menschen oder eine Gesellschaft dorthin entwickeln zu können, ist meiner Ansicht nach das Hauptziel der Königin der Wissenschaften - der Astrologie:
Erkenne Dich selbst und Du erkennst den Lauf der Welt.
Vom Sinn der Astrologie Wulfing Kranenbroeker |